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Glocken von St. Georg Amern

St.Georg HD
Datum:
24. Juni 2026
Von:
Hermann-Josef Crynen

Das Glockengeläut  wurde von Matthias Dichter aufgenommen.
Es erklingt das Geläut von St.Georg in Amern. Die ältesten Bauteile der Kirche stammen aus der 2.Hälfte des 15.Jahrhunderts. Dazu zählt unter anderem der Unterbau des heutigen Turms. Zwischen 1883 und 1886 wurde St.Georg nach Plänen von August Rincklake und Caspar Clemens Pickel in neugotischen Formen als Neubau anstelle der gotischen Vorgängerkirche errichtet. Der dreischiffige Backsteinbau ist noch weit im Umland zu sehen. Erst im Jahre 1900 wurde der gotische Westturm um ein weiteres Geschoss erhöht und erhielt dadurch seine heutige Form. Von der historischen Innenausstattung sind unter anderem eine Muttergottes aus der Mitte des 15.Jahrhunderts sowie ein spätgotisches Kruzifix aus der Zeit um 1520 erhalten geblieben. Die mit 22 Registern ausgestattete zweimanualige Orgel ist 1938 durch die Bonner Orgelwerkstatt Johannes Klais erbaut worden. Der mächtige Turm beherbergt heute vier Glocken. Vom historischen Kernbestand sind heute immerhin noch zwei mittelalterliche Glocken erhalten geblieben. Die ältere der beiden ist ein Werk von Jan van Hintem, einem frühen Meister der Brabanter Werkstatt. Sie präsentiert sich äußerlich als ein schlichtes, gotisches Werkstück ohne weitere Verzierungen. 1463 folgte die Christusglocke des Meisters Jan van Venlo. Diese weist zwei äußerst schön gearbeitete Reliefs der Darbringung der Gaben der Heiligen Drei Könige sowie der Kreuzigung Christi auf. Im Jahre 1959 wurde diese beiden Glocken um zwei weitere der Glockengießerei Feldmann & Marschel aus Münster ergänzt. Leider unterzog man die beiden mittelalterlichen Glocken im Zuge dessen einer massiven Tonkorrektur, welche von der Klokkengieterij Eijsbouts B.V. in Asten durchgeführt wurde. Durch diesen barbarischen Akt, der letztendlich nicht zum gewünschten Resultat geführt hat, wurden beide Instrumente als musikalische Denkmäler für immer vernichtet. Dafür sind jedoch die beiden neueren Glocken klanglich durchaus gelungen und zählen mit zu den klanglich besten Glocken, die die Münsteraner Gießerei Zeit ihres Wirkens in die Diözese Aachen geliefert haben. Durch die akustisch günstige Glockenstube präsentiert sich das Geläut auch außen als sehr kräftig, aber nicht unangenehm. Die nach wie vor verzogene Schlagtonlinie lässt den ausgefüllten Molldreiklang recht interessant, aber leider auch uneinheitlich wirken. Georgsglocke, Schlagton c'-5, Gewicht ca. 2.050 kg, Durchmesser 1534 mm, gegossen im Jahre 1959 von der Glockengießerei Feldmann & Marschel in Münster. Paulus- & Matthiasglocke, Schlagton es'-3, Gewicht ca. 1.200 kg, Durchmesser 1273 mm, gegossen im Jahre 1959 von der Glockengießerei Feldmann & Marschel in Münster. Christusglocke, Schlagton f'+4, Gewicht ca. 820 kg, Durchmesser 1127 mm, gegossen im Jahre 1463 von Jan van Venlo. Marienglocke, Schlagton g'-5, Gewicht ca. 660 kg, Durchmesser 1031 mm, gegossen im Jahre 1411 von Jan van Hintem. Herzlich bedanken möchte ich mich bei Herrn Crynen für die Einladung und die Ermöglichung der Aufnahmen sowie bei der Küsterin für das Aufschließen des Turms!