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I Maria 1411

Marienglocke 1411
Datum:
18. August 2026
Von:
Christian Liebens

Die kostbarste noch heute erhalten Glocke ist die Marienglocke von 1441 des Glockengießers Johannes de Hintem. Sie trägt die Inschrift „MARIA VOCOR, ANNO DOMINI MCCCCXLI JOHANNES DE HINTEM ME FECIT.“, also „Maria heiße ich, im Jahre des Herrn 1441 gos mich Johannes de Hintem“. Sie stammt damit aus der Spätgotik und wurde vom wandernden Glockengießer Johannes Hintem gegossen. Einen Seltenheitswert besitzt sie, da Glocken dieses spätgotischen Meisters nur noch in der Stiftskirche zu Kleve, in Grieth und in Kellen zu finden sind. Diese 750 kg schwere Glocke aus Bronze hat einen Durchmesser von 1110 mm bei einer Schalgringstärke von 80 mm, wodurch sie eine Konstruktion als leichte Rippe hat. Ihr Schöagton ist f'+6 bei einer Nachklingdauer von 125 s.

Physikalische Betrachtung

Die Marienglocke wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit wissenschaftlich untersucht.[8] Im Mittelpunkt der Arbeit stand die physikalische Analyse der Glocke als physikalisches Doppelpendel. Es wurde das Schwingungsverhalten nach dem Läuten untersucht, also ab dem Zeitpunkt, an dem der Antriebsmotor aussetzt und die Glocke frei ausschwingt. Hierzu wurde eine Maßzeichnung der Glocke angefertigt, aus der mit einem CAD-Programm ein 3D-Modell erstellt wurde. Mit dem 3D-Modell konnten die Schwerpunkte der beiden Pendelkomponenten (Glocke und Klöppel) bestimmt werden. Die Masse der Glocke mit Krone und Joch konnte dabei auf  bestimmt werden.

Der hohe Fehler resultierte hierbei vor allem aus der verwendeten „Worst-Case-Abschätzung“, bei der die Messwerte im Fehlertolleranzbereich so angepasst werden, dass sich einmal das minimale und einmal das maximale Volumen des betrachten Körpers ergaben. Auf Basis dieser Werte wurde jeweils wieder ein 3D-Modelle erstellt. Die Differenz der in diesem Modell berechneten Kenngrößen (z. B. die Masse der Glocke) ergab anschließend den Messfehler.

Aufbauend darauf wurde mit dem Lagrange-Formalismus die Bewegungsgleichung des Pendels erstellt. Hierbei wird die Reibung mit der Rayleigh-Dissipationsfunktion in den Bewegungsgleichungen berücksichtigt. Die beiden hierzu benötigten Dämpfungsfaktoren für Glocke und Klöppel wurden über eine Videoauswertung bestimmt. Hierzu wurde das Läuten der Glocke (ab ausschalten des Motors) aufgenommen und anschließend mit einer Videoanalysesoftware ausgewertet, sodass sich ein Diagramm der abnehmenden Winkelamplitude des Glockenwinkels ergab. Mit Hilfe eines exponentiellen Fits konnte die Amplitudenhüllkurve bestimmt werden und so der Dämpfungskoeffizient  ermittelt werden. Dieses Vorgehen wurde für den Klöppel wiederholt, wobei hier eine Aufnahme herangezogen wurde, die die Bewegung des Klöppels ohne Glockenbewegung zeigt.

Der Stoß zwischen Glocke und Klöppel wird in der Bewegungsgleichung klassisch mittels Energie und Drehimpulserhaltung berücksichtigt. Die daraus resultierende Lösung der Bewegungsgleichung kann den qualitativen Verlauf der beobachteten Schwingung bis auf geringe Abweichungen gut widerspiegeln.

Frei nach: Gerhard Hoffs, Glockensachverständiger der Erzdiözese Köln (Angaben in Hz) Köln, den 03. September 1984

Glocke

I Maria

Glockengießer

Johannes de Hintum

Gußjahr

1441

Metall

Bronze

Durchmesser (cm)

110

Schlagringstärke (mm)

74(71)

Gewicht ca. (kg)

750

Konstruktion

Leichte Rippe

 

 

Unteroktave

173,5

Schlagton

347,0

Prime

347,0

Terz

437,7

Quinte

516,4

Oberoktave

694,0

Dezime

867,4

Undezime

913,0

Duodezime

1036,7

Große Tredezime

117,3

Doppeloktave

1396,5

2‘-Quarte

1840,5

Quartschlagton

460,1

 

 

Nachklingdauer (sek)

 

der Unteroktave

65

Prime

40

Terz

20

Verlauf

schwebend

Anschlagfrequenz

55

Phon ( dB A )

 

84