Zum Inhalt springen

St. Laurentius Elmpt: Geschichte der Glocken

St. Laurentius Elmpt
Datum:
18. August 2026
Von:
Christian Liebens

Die kostbarste noch heute erhalten Glocke ist die Marienglocke von 1441 des Glockengießers Johannes de Hintem. Sie trägt die Inschrift „MARIA VOCOR, ANNO DOMINI MCCCCXLI JOHANNES DE HINTEM ME FECIT.“, also „Maria heiße ich, im Jahre des Herrn 1441 gos mich Johannes de Hintem“. Sie stammt damit aus der Spätgotik und wurde vom wandernden Glockengießer Johannes Hintem gegossen. Einen Seltenheitswert besitzt sie, da Glocken dieses spätgotischen Meisters nur noch in der Stiftskirche zu Kleve, in Grieth und in Kellen zu finden sind. Diese 750 kg schwere Glocke aus Bronze hat einen Durchmesser von 1110 mm bei einer Schalgringstärke von 80 mm, wodurch sie eine Konstruktion als leichte Rippe hat.[5]

Die ersten schriftlichen Nachweise über eine 2. und 3. Glocke stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ob es darüber hinaus schon weitere Glocken gegeben hat, ist nicht schriftlich belegt. Es ist denkbar, dass diese aber in Kriegszeiten untergegangen sind. So ist bekannt, dass am 18. Oktober 1799 zwei Glocken durch die Franzosen entwendet wurden.[5]

Bereits vier Jahre nach Kriegsende wurden im Jahre 1819 durch Joh. Baptist Nikolaus Goulhard (Glockengießer zu Aachen) zwei neue Glocken für die Elmpter Kirche gegossen. Die Größere der beiden Glocken ging jedoch schon 1845 beim Läuten kaputt und wurde vom Glockengießer zurückgenommen. Dieser goss daraus eine neue Glocke, die jedoch nicht zum bestehenden Geläut passte, weshalb sie ersetzt wurde. Das nun bestehende Geläut mit den Tönen f, as und b bestand anschließend für fast 100 Jahre. Die ersetzte Glocke trug die Inschrift „Kommet, freuet euch und in Psalmgesängen jubelt dem wahren Gott, eurem Heiland“. Die erhaltene Glocke von Goulhard hatte die Inschrift: „Hier werde ich erklingen für die Lebenden und für die Verstorbenen“.[5]

Im Zuge des ersten Weltkrieges kam es in ganz Deutschland zur Beschlagnahmung von Glocken, um sie zu Kriegszwecken einzuschmelzen. Verschont blieben hiervon Glocken, die einen künstlerischen Wert besaßen. Es wurden daher die zwei Glocken aus dem 19. Jahrhundert 1917 aus dem Turm entnommen. Nur die Glocke aus dem 18. Jahrhundert blieb als Läuteglocke erhalten.[5]

Nach Ende des ersten Weltkriegs konnten die Glocken nicht wiedergefunden werden. Durch Spenden von Pfarrmitgliedern konnte jedoch eine 2. Glocke angeschafft werden, die am 27. November 1921 auf „Maria unter dem Titel, Königin des hl. Rosenkranzes“ geweiht wurde. Schließlich wurde am 9. August 1927, am Fest des Pfarrpatrons Laurentius, die 3. Glocke geweiht, wodurch sich ein Geläut mit den Tönen f, g, b ergab.[5]

Dieses Geläut blieb dann 16 Jahre bestehen. Durch den zweiten Weltkrieg mussten jedoch erneut die 2. und 3. Glocke aus dem Turm zu Kriegszwecken entnommen werden. Diesmal waren die Vorschriften zur Abgabe von Glocken jedoch bedeutend schärfer, weshalb grundsätzlich alle Glocken abgegeben werden mussten (auch jene mit künstlerischem Wert). Durch ein Gutachten von Dr. Neu, das den künstlerischen Wert der Marienglocke als Werk des Johannes de Hintem und den damit verbundenen Seltenheitswert der Glocke herausstellt, konnte eine Entnahme der Glocke verhindert werden. Dass die Glocke den Krieg unbeschadet überstand, ist wohl dem damaligen Pfarrer Theodor Trecker zu verdanken. Dieser soll gegen Ende des Krieges nach zurück Verlegung der Frontlinie erfolgreich gegen eine Sprengung des Turmes eingetreten sein.[5]

Im Jahre 1954 konnten dann durch eine Pfarrkollekte drei neue Glocke bei der Glockengießerei F. Otto in Bremen-Hemelingen in Auftrag gegeben werden. Diese drei Glocken konnten am 3. Sonntag im September 1954 geweiht werden und im darauf folgendem Monat im Kirchturm aufgehängt werden. Die 2. Glocke S. Laurentius trägt die Inschrift „CANTATW DOMINO CANTICUM NOVUM CANTATE DOMINO OMNIS TERRA“, also „Singt dem Herrn ein neues Lied! Singt dem Herrn alle Lande!“. Sie besitzt einen Schlagton as, bei einem Gewicht von 625 kg und einem Durchmesser von 102 cm. Die 3. Glocke S. Gabriel mit der Inschrift „ANGELUS DOMINI NUNTIAVIT MARIAE: AVE MARIA GRATIA PLENA“, also „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft: Gegrüßet seist du Maria voll der Gnaden.“, hatt den Schlagton b, ein Gewicht von 420 kg und einen Durchmesser von 86 cm. Die 4. Glocke S. Pius X. mit der Inschrift „CHRISTUM SANCTIFICATE IN CORDIBUS VESTRIS“, also „Haltet Christus heilig in euren Herzen.“, hatte ein Gewicht von 275 kg, bei einem Durchmesser von 73 cm und einen Schlagton des.[5]

Die 4. Glocke konnte jedoch nicht an das später installierte elektrische Läutewerk angeschlossen werden. Hinzu kam, dass der Schlagton nicht zu den anderen Glocken passte. Deshalb wurde sie durch eine Molloktavglocke mit einem Gewicht von 245 kg ersetzt. Diese wurde von Johannes und August Mark neu gegossen und am 23. September 1984 der „hl. Maria immerwährende Hilfe“ geweiht. Sie trägt die Inschrift „Maria wir rufen zu dir“.[6]

1984 wurde ebenso eine Sanierung der Glockenstube beschlossen. Sie wurde durch die Firma Mark aus Brockscheid in der Eifel durchgeführt. Es wurden neue Schalljalousien und ein neues elektrisches Läutewerk für alle vier Glocken installiert. Ebenso wurden die zweite und dritte Glocke gestimmt. Die alte Läuteanlage hatte in Kombination mit dem zu schweren Klöppel bei der alten Marienglocke zu einer Abnutzung und zu einer Rissbildung geführt, weshalb die Glocke im Zuge der Sanierungsarbeiten geschweißt wurde. Sie erhielt außerdem einen neuen leichteren Klöppel und wurde an einem neuen Holzjoch mit neuen Beschlägen wieder aufgehangen. Die Neue Tonfolge ist nun f', as', b', c''.[6]

Glocke I Maria II Laurentius III Gabriel IV Maria immerwährende Hilfe
Glockengießer Johannes de Hintum Otto, Bremen Hemelingen Hans August Mark, Brockscheid/Daun
Gußjahr 1407 (1441) 1954 1978
Durchmesser in mm 1110 1020 860 745
Schlagringstärke in mm 80 71 60 58
Gewicht ca. in kg 750 625 420 245
Konstruktion Leichte Rippe Mittelschwere Rippe
Schlagton f'+6 as'+7 b'+6 c''+3
Nachklingdauer Sek. 125 91 88 109