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Kirche St. Nikolaus Brüggen

Der Klostergarten
Geschichte

Geschichte der Kirche St. Nikolaus Brüggen

Der Klosterkomplex

Zum Klosterkomplex der Kreuzherren gehörten als Hochbauten

  • die Klosterkirche,
  • das alte und das neue Klostergebäude als Wohn- und Funktionstrakte,
  • Küche, Refektorium, Speisesaal und Kammern für zahlende Gäste im Haus Klosterstraße 30 (Altdeutsche Bier- und Weinstube; in Brüggen bekannt als die "Gei"),
  • die alte Lateinschule (heute Klosterstraße 35),
  • Wirtschaftsgebäude am sog. Klosterhöfchen.

Jetziger und ursprünglicher Baustil

Gebaut wurde St. Nikolaus als Backsteinsaalkirche und sog. Stadtkirche im Stil der sog. Bettelordens-Kirchen. Jetzt: Barock, ursprünglich Gotik.

In den frühen Morgenstunden des26.04.1751 brannte die Kirche aus, nicht ab. Die Außenwände blieben stehen. Bis 1756 wurde sie unter Nutzung noch brauchbarer Bausubstanzneu errichtet. Bei den Sanierungsarbeiten der Kirche blieb es beim einschiffigen Backsteinsaal und mit einem Satteldach mit Firstrichtung von Nordwest nach Südost. Das heutige Spiegelgewölbe ersetzte das vorherige Spitzbogen-Gewölbe

Stilwechsel wegen Geldmangel.

Der Baukörper

Ursprüngliche Länge der Kirche rd. 36½ m, entspricht dem heutigen Zustand ohne den in den 1962/67 angebauten Chor.

Das alte Kirchenschiff mißt von der(ehemaligen) Geländehöhe bis zum First etwas mehr als 18 m. Es istaußen ca. 10½, innen etwa 8,60 m breit. Je sechs, sich von unten nachoben verjüngende Stützpfeiler (im Mittel 0,8 m im Durchmesser) jeLängsseite fangen den Druck des Mauerwerkes ab. Zwischen zweiStützpfeilern liegen auf den Längsseiten 3,8 m breite Felder ausMauerwerk, in denen sich die Rundbogenfenster befinden. Die Außenmauernhaben einen Durchmesser von etwa 0,9 m, ohne sich von unten nach obenzu verjüngen. Innen setzt nach 9,75 m über Oberkante Fußboden ein0,56 m hohes Sims an. Erst etwa 1 m darüber beginnt sich das Gewölbe zurunden. Die Fensteröffnungen in den südlichen und nördlichenLängswänden beginnen bei ca. 4,8 m über Oberkante Fußboden und habeneine lichte Höhe von ebenfalls 4,8 m.

Ab 1965 brach man das westlich an dasKlosterkirche angebaute Postamt ab und ergänzte die Klosterkirche umeinen neuen Chorraum. Er ist innen rund 2 m breiter und 1½ m höher alsdas Kirchenschiff.

Im Zuge des Um- und Neubaues verlegteman den Altar weitere ca. 10 m nach Westen an das Ende des angebautenChores. Dabei zog man den ehemaligen Kapitelsaal des Klosterbaus ausdem 18. Jahrhundert als Seitenschiff in die Klosterkirche mit ein.

Fenster

Elf Glasgemälde von 1895.

Dach, Dachreiter, Glocken

Seit 1927/28 ist das Walmdach altdeutsch beschiefert.

Auf dem Walmdach der Kirche einsechsseitiger geschieferter Dachreiter mit geschweifter Haube, Laterneund spitzem Helm, der bei den Umbauarbeiten 1962/67 unverändert blieb.

Seit Juli 1930/1960 hängen im Dachreiter vier Glocken mit den Schlagtönen d, e, fis und a.

Vorgängerin, Baubeginn Kirche, Einweihung

Die heutige KlosterkircheSt. Nikolaus ist der zwischen Anfang Oktober 1479 und dem 24.05.1484entstandene Ersatzbau für die mit einem Glockenturm verseheneNikolaus-Kapelle "bynnen der vesten", die zusammen mit demzugehörigen Pfarrhof am 02.07.1473 zerstört wurde. Das Grundstück wurdemit der jetzigen Klosterkirche wieder bebaut.

Konsekration

Normalerweise weihten die Kreuzbrüder ihre Kapellen dem heiligen Kreuz. Ausnahmen dann, wenn die KreuzbrüderKirchen oder Kapellen vorfanden, die schon Heiligen geweiht waren.

Die Konsekration eines Altares geschah nie zufällig!

Erst-Konsekration der BrüggenerKlosterkirche auf den hl. Nikolaus als dem Patron der Schiffer undReisenden. Zweit-Konsekration auf die hl. Katharina, die (wie der hl.Nikolaus) eine Spitalheilige war.

Hochaltar

Der ursprünglich an der Ostseite (= Klosterstraße) aufgestellte Altar scheint den Brand 1751 nicht überstanden zu haben.

1755 entstand der jetzige Hochaltar im Stile des Barocks in Erkelenz und Dülken aus schwarzem Holz.

Zwischen 1756 und 1934 wurde der Hochaltar von Osten nach Westen verlegt.

1967 brachen Brüggener Schreiner denbis dahin am westlichen Ende des Kirchenschiffes installiertenHochaltar ab und bauten ihn nach Erweiterung der Kirche um den jetzigenChorraum an der jetzigen Stelle wieder ein.

Seitenaltäre

Zwei kleinere Altäre aus Eichenholzflankieren den Hochaltar. In Aufbau und Material entsprechen dieSeitenaltäre dem Hochaltar; sie bilden also ein Ensemble. Allerdingsist es fraglich, ob die Seitenaltäre aus derselben Werkstatt stammenwie der Hochaltar.

Südlicher Altar (zum Kreuzherrenplatz): Hl. Nikolaus, Öl auf Leinwand aus 1865, gemalt von Caspar Görke.

Nördlicher Altar (zur Klosterstraße): Muttergottes mit Kind, ebenfalls 19. Jahrhundert.

Chorgestühl

Wurde das Chorgestühl einer Kirchenicht zugekauft, dann ist es ein ziemlich treffender Hinweis darauf,daß die Kirche entweder eine Bischofs- oder eine Klosterkirche war/ist.

In den jetzigen Chor der Kirche versetzt wurde das aus Eichenholz gearbeitete und mit reichen Rokoko-Schnitzereien versehene Chorgestühl. Es ist datiert um 1760 und soll vom Schöpfer des Hochaltares hergestellt sein.

Von den ehemals 24 Sitzen sind heute

  • acht mit durch Pilaster gegliederte Rückwand und zwei Außenwangen,
  • 13 ohne Rückwand und Außenwangen

aufgestellt.

Kanzel

Die Kanzel (aus Eichenholz) mitSchalldeckel wird auf 1760 datiert, wäre damit nach dem Brandentstanden und eingebaut worden. Zumindest mit den sechseckigenGrundformen ähnelt die Kanzel der in der Kreuzherrenkirche inWuppertal-Beyenburg.

Kommunionbank

Die aus Eiche gebaute Kommunionbankwird auf Mitte des 18. Jahrhunderts datiert, gehörte damit zu derhölzernen Inneneinrichtung, die nach dem Brand von 1751 entstand.

Beichtstühle

Die beiden Beichtstühle sind um 1760entstanden, also nach dem Brand. Allerdings scheinen sie am Ende des19. Jahrhunderts verändert worden zu sein.

Taufstein

Der aus schwarzem Marmor gefertigteund mit einem Messingdeckel verschlossene Taufstein ist zwar auf Endedes 18. Jahrhunderts datiert, jedoch scheint er keine Ersatzanschaffungnach dem Brand von 1751 gewesen zu sein. Der steinerne Teil mißt1,03 m, der Deckel in der Höhe weitere 0,52 m. Der Taufstein hat obeneinen Durchmesser von etwa einem halben Meter.

Mobile Ausstattungsgegenstände

  1. Muttergottes, ca. 145 cm hoch, aus Anfang des 20. Jahrhunderts.
  2. Pieta, 114 cm hoch, aus dem 19. Jahrhundert.
  3. Hl. Joseph und hl. Johannes Nepomuk, ca. 150 cm hoch, aus dem 18. Jahrhundert.
  4. Hl. Sebastianus, ca. 122 cm hoch, 18. Jahrhundert.
  5. Hl. Nikolaus, 160 cm hoch, 1991 aus Unterammergau.
  6. 14 Kreuzwegstationen, Leinwand auf Holz, entstanden zwischen 1820 und 1830.
  7. Gemälde, Leinwand, 127 x 104 cm, aus dem 18. Jahrhundert stellt den hl. Nikolaus dar.

Die Klosterkirche nach der Säkularisation

1802 wurde das Kloster aufgehoben.Die französische Verwaltung überwies Kirche und Sakristei derkatholischen Kirchengemeinde Brüggen.

Als zu napoleonischer Zeit das BistumAachen (erstmals) eingerichtet wurde, erhielt St. Nikolaus 1804vorübergehend den Status der Hauptkirche der neugegründeten PfarreBrüggen. 1805 wurde diese neue Pfarre wieder geteilt, und zwar in diePfarre St. Nikolaus Brüggen und in die Pfarre St. Peter Born.

Innere Instandsetzung

1932/33 stilgerechte Instandsetzungder gesamten Kirche, verbunden mit Verlegen des Haupteingangs von derOst- zur Südseite. Dabei wurden auch Fundamente für eine Vorhallegelegt und Treppenstufen fertiggestellt.

Platzkapazität

350 Sitz- und 150 Stehplätze im Hauptschiff und im rechtwinklig abknickenden Seitenschiff.

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Die Barockorgel

Friedr.‑Wilh. Stroucken über die Barock­-Orgel in St. Nikolaus Brüggen

Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Brüggener Kreuzherr in seiner Kirche den Blasebalg trat und sein Mitbruder die Orgel schlug, war solche Musik noch keineswegs selbstverständlich. Schließlich mussten die Gläubigen in der benachbarten Brachter Pfarrkirche immerhin noch über 80 Jahre, in der Borner Pfarrkirche gar noch mehr als zwei Jahrhunderte lang warten, bevor ihnen Orgelklänge die Gottesdienste verschönten.

Es muss vor 1741 eine Orgel gegeben haben

Wann zum ersten Male eine Orgel in der Kreuzherrenkirche erklang, werden wir (wahrscheinlich) nie erfahren. Traut man einer eingeritzten Jahreszahl, dann ist 1604 sicher. Es sei denn, man "importierte" gebrauchte Orgelteile nach Brüggen, wofür es aber keine Anzeichen gibt. In der Reihe der Traversflöten der heute zu hörenden Orgel stellt eine cis'‑Pfeife, die von 1604 stammt und später restauriert worden sein muss. Als einzig bis jetzt Übriggebliebene tat sie schon vor 1741 Dienst in der Orgel von St. Nikolaus.

Henricus Titz (1741 und 1757/59)

1741 konnte dann am westlichen Ende der Kreuzherrenkirche eine entweder umgebaute oder erweiterte Orgel erklingen, deren Innenwerk aus reinem Blei bestand. Sie war das Werk von Henricus Titz. Überhaupt hat es den Anschein, als sei die Orgel zwar vielfachumgearbeitet, nie jedoch komplett durch eine neue ersetzt worden.

Der "neuen" Orgel war nur ein Jahrzehnt vergönnt. In den frühen Morgenstunden des 26.04.1751 brannte die Kirche. Vermutlich auf den nördlich der Kirche gelegenen Parzellen hatte es zu brennen begonnen, das Feuer fraß sich dann weiter nach Osten. Die von Norden und Osten einwirkende Strahlungshitze setzte das Holzwerk der Kirche in Brand. Die Außenwände blieben stehen, der Dachstuhl verbrannte, das gotische Deckengewölbe muss eingestürzt sein. Der hölzerne Altar im Osten des Kirchenschiffs scheint dem Feuer zum Opfer gefallen zu sein: bei der am westlichen Ende des Kirchenschiffes stehenden Orgel zerstörte der Brand die hölzernen Teile. Der Kreuzherren‑Konvent stand ohne Kirche da,

Natürlich musste zuerst der Baukörper der Kirche wieder hergerichtet werden. Ab 17.10.1756 konnten die Kreuzherren in ihrer Kirche wieder die hl. Messe lesen, allerdings noch ohne Orgelklang. Für die Wiederherstellung des Instrumentes wandte man sich an den Mann, der 1741 die Orgel gestaltet hatte, Henricus Titz. Gemeinsam mit einem Gesellen reparierte er zwischen 1757 und 1759 während 134 Arbeitstagen, was der Brand übriggelassen hatte. Titz konnte Pfeifen verwenden, die bereits vor dem Brand installiert waren, musste sie aber teilweisesanieren. Die Station in Brüggen hat zu den letzten Arbeiten von Henricus Titz gehört. Am 04.05.1759 starb er.

Joan Theodor Gilman (1780)

Im Sommer 1778 begann Schriftverkehr mit einem neuen Orgelbauer, nämlich Joan Theodor Gilman aus Kornelimünster. Mit ihm hatten die Venloer Kreuzherren schon 1770 gute Erfahrungen gemacht.

Unklar ist, warum nur knappe zwei Jahrzehnte nach der Wiederherstellung eine "neue" Orgel angestrebt wurde. Als Johann Theodor Gilman 1780 zu Werke ging, verwendete er Teile der Titz‑Orgel weiter. Ob Gilman einen Neubau, einen Umbau oder eine Erweiterung der Orgel durchführte, darüber mag man heute streiten.

Austausch von Orgel und Altar

Wann man die traditionelle Ostung des Altars aufgab und die Standorte von Altar und Orgel austauschte, ist nicht durch Dokumente belegt. In der Literatur gibt es mehrfach die Annahme, den Tausch zwischen Orgel und Altar habe man nach dem Brand von 1751 vorgenommen. Vermutlich wird es tatsächlich so gewesen sein. Ein Bilddokument dazu stammt aber erst von 1934.

Zwei Änderungen von 1895

Für 1895 gibt es Nachrichten über zwei Änderungen, nämlich

• Erneuerung der Orgel (womit wohl ein im Detail unbekannter Eingriff in das Instrument zu verstehen sein wird),

• Vorschieben der Orgelbühne um zwei Meter (man verlängerte das Podest um zwei Meter nach Westen hin).

Veränderungen 1932/33

1932/33 gab es so erhebliche Veränderungen, dass man eher von einem radikalen Umbau denn von einer Reparatur hätte reden sollen, ausgeführt vom Kevelaer Orgelbauer Ernst Seifert. Ein freistehender elektrischer Spieltisch ersetzte den in die Hinterwand eingebauten mechanischen Spieltisch. Die Klaviatur der Manuale wurde erweitert, alle Pfeifen wurden um zwei Halbtöne erhöht, was die Klangfarbeänderte. Um nur einige der Veränderungen zu nennen, die sämtliche Bauteilebetrafen. Aus heutiger Sicht ist es erstaunlich, dass man solche Deformationen gegen Pfarrer Röttgen durchsetzen konnte, der ein Gespür für Überliefertes besaß und selber Orgel spielen konnte.

Überholung 1968

Mitte der 1960er Jahre gab es groß angelegte Umbauarbeiten in der Kreuzherrenkirche. Man erweiterte sie nicht nur nach Westen hin um den Chor, nach Süden hin kam ein Teil des alten Konvents zu der zu klein gewordenen Kirche. Unter diesen Bauarbeiten litt die Orgel zwar nur mittelbar, aber doch so erheblich, dass sie 1968 überholt werden musste.

Die Restaurierung 1981/84

Die vorerst letzten Arbeiten an der Orgel in der Kreuzherrenkirche liegen jetzt knapp 40 Jahre zurück. Die Firma Gebr. Stockmann, Werl/Westfalen, restaurierte die Orgel zwischen 1981 und 1984. Dabei wurde die Mechanik auf den Ursprungzurückgeführt, d.h. Veränderungen aus der Erneuerung von 1932/33 rückgängig gemacht.


Di s p o s i t i o n  
der Orgel in St. Nikolaus, Brüggen

I. Manual, Positiv, C D – c’’’ [Praestant 4’ ● Bourbon 8’ ●Octave 2’ ● Flut 4’ – Ged. Fl. ● Flut traver 8’ ab c’ ●Crumhorn 8’ ● Nazar 3’ = 2 2/3’ ●Mixtur 1’ 3fach ●Vox humana 8’] ● 

II. Manual, Oberwerk, C D – c’’’ [Cornett 4fach Disk. c’ ● Praestant 8’ Prosekt ●Bourdon 8’ ● Octave 4’ ●Flut 4’ = Rohrflöte ●Superoctave 2’ ● Nazar 3’ = 2 2/3’ ● Gembshorn 2’ ●Tertia 13/5’ ● Sesquialtera 3’ 2fach ● Mixtur 1’ 4fach ●Trompete 8’] 

●Koppeltritte: I/II, I/P, II/P. 

●Pedalwerk, C – f’ [Subbass 16’ ● Principalbass 8’ ●Flötenbass 8’ ● Octavbass 4’ ● Fagott 16’]

 

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